Endlich in dieser Hauptstadt der alten Welt: 14 Tage als Borsista in der Casa di Goethe in Rom

Goethes Begierde, nach Rom zu kommen, war groß. Sie trieb ihn zur Eile an. Am 30. Oktober 1786 zog er endlich in die „Hauptstadt der alten Welt" ein. Reichliche 237 Jahre später, am 22. Januar 2024, durfte ich – auf Einladung des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute e. V. (AsKI) – eine Etage höher die ansprechende Gästewohnung des einzigen deutschen Museums im Ausland miet- und kostenfrei beziehen: 14 Tage geschenkte Zeit zum Forschen und Entdecken lagen verheißungsvoll vor mir! Der Jubel über den Aufenthalt war sicher nicht geringer als der Goethes damals.

Für meine Forschungen hatte ich ein botanisches Thema ausgesucht, das Goethe während seiner gesamten Zeit in Italien beschäftigt hatte. Die beobachtete Veränderlichkeit der Teile von Pflanzen führte ihn schließlich zur bahnbrechenden Hypothese, dass alles Blatt sei. Der realistische Blick auf die Natur verband ihn mit dem deutschen Landschaftsmaler Jacob Philipp Hackert, den er am 28. Februar 1787 erstmals in Neapel, kurz vor der Überfahrt nach Sizilien, getroffen hatte, seine Metamorphosenlehre mit dessen Porträts einzelner charakteristischer Baumindividuen.

In der Casa di Goethe fand ich Gelegenheit zum Austausch mit der sicherlich besten Kennerin von Hackerts Werk, Claudia Nordhoff. Eine ihrer vielen Publikationen hatte ich vor meiner Reise antiquarisch erworben und in den Süden mitgenommen: Es handelte sich zufälligerweise um jenes Exemplar, das sie seinerzeit ihren Eltern geschenkt hatte, wie die handschriftliche Widmung auf dem Vorsatzblatt verriet. Habent sua fata libelli. Und diese glückliche Fügung war nur eine von vielen in Rom. Weitere Höhepunkte waren ein Ausflug in die Sabiner Berge, ins ländliche Tivoli, oder die Autopsie der Briefe Goethes aus dem Besitz des Klassischen Archäologen und Kunsthändlers Ludwig Pollak im Museo di scultura antica Giovanni Barracco. Voller Dankbarkeit werde ich mich stets an diese glückliche Zeit in Rom erinnern.

Dr. Jutta Eckle,
Gesamtherausgeberin und Bandbearbeiterin der
historisch-kritischen Ausgabe von Goethes Briefen,
Goethe- und Schiller-Archiv,
Klassik Stiftung Weimar

AsKI kultur leben 1/2024

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