Die Deutsche Kinemathek zieht in das E-Werk!

E-Werk Mauerstraße 78–80 10117 Berlin; © Andreas Nenninger

Die Stiftung Deutsche Kinemathek (SDK) bezieht im Januar 2025 das E-Werk, ein ehemaliges Umspannwerk in Berlin-Mitte. Sie wird ihre Arbeit ab dem kommenden Jahr in diesem attraktiven und geschichtsträchtigen Quartier in der Mauerstraße fortsetzen, da die Mietverträge im Filmhaus am Potsdamer Platz im Februar 2025 auslaufen und nicht verlängert werden. Einst ein zentraler Knotenpunkt der industriellen und technologischen Entwicklung im Berlin der Jahrhundertwende, avancierte das E-Werk in den 1990er-Jahren zum Hort der Berliner Clubkultur. Nun entstehen in dem Industriedenkmal auf einer Nutzfläche von 4.000 qm Büro- und Archivräume sowie öffentliche Flächen zur Präsentation von Film- und Fernsehkultur.
Wie kam es zu dieser Entscheidung, was wurde und wird noch „hinter den Kulissen" alles getan?

Bereits im Dezember 2022 wurde das Anforderungsprofil mit all den unterschiedlichen Raum- und Flächenbedarfen für ein Zwischenquartier entwickelt und aufgestellt. Da die SDK eine institutionelle Leuchtturm-Förderung erhält, die ausschließlich vom Bund getragen wird, ist in Liegenschaftsangelegenheiten stets die sogenannte Bundesagentur für Immobilienaufgaben (BImA) einzubeziehen. Diese wurde Anfang 2023 beauftragt, ein sogenanntes „Erkundungsverfahren" innerhalb des S-Bahnrings von Berlin durchzuführen. Im Rahmen dieses Verfahrens gingen Unterlagen zu 68 Objekten bei der BImA ein, von denen acht durch Besichtigungstermin in die engere Auswahl genommenen wurden. Aus diesen acht Objekten konkretisierten sich am Ende drei Angebote, die intensiv auf die Umsetzungsmöglichkeiten der vielfältigen Anforderungen der SDK geprüft wurden. Dabei kristallisierte sich im Mai 2023, unter Berücksichtigung der sogenannten Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der SDK, die Mauerstraße 79 in Berlin-Mitte als der favorisierte Standort heraus.

Schalterhalle, E-Werk Mauerstraße 78–80 10117 Berlin; © Andreas Nenninger

Nach Abschluss der Suche nach einer geeigneten Liegenschaft wurde der „Beschaffungsauftrag" an die BImA zum Abschluss des Mietvertrages mit dem Eigentümer erteilt. Dies bedeutet, dass ab diesem Zeitpunkt wöchentliche Besprechungen mit dem vom Eigentümer beauftragten Architekten, der BImA und der SDK stattfanden, um ein konkretes „Raumbuch" mit den baulichen Maßnahmen zu erstellen und die vorhandenen Flächen zur Umsetzung des Anforderungsprofils möglichst optimal nutzen zu können. Das so entwickelte „Raumbuch" bildete dann wiederum die Grundlage für die Kostenermittlung der Ausstattung des Mietobjektes. Spätestens Ende November 2023 musste der sogenannte „Anmietungsvertrag" zwischen der BImA und dem Eigentümer abgeschlossen werden, um den rechtzeitigen Einzug im Dezember 2024 aufgrund der baulichen Anpassungsmaßnahmen in einem denkmalgeschützten Objekt zu gewährleisten.

Doch wie so oft im Leben: Bevor ein Mietvertrag unterzeichnet werden kann, müssen entsprechende Finanzierungszusagen vorliegen. Parallel zu den Mietvertragsverhandlungen wurden daher die haushalterischen Voraussetzungen in Form von „Verpflichtungsermächtigungen" für den angestrebten Mietzeitraum geschaffen und entsprechende Beschlüsse des Stiftungsrates gefasst. Weitere Details der Finanzierung und Fragen der komplexen Gesamtunterbringung sollen hier nicht vertieft werden. Vielmehr könnte von Interesse sein, wie die Umzugsplanung konkret aussieht?

Bereits im Sommer 2023 wurde die Dienstleistung eines umfassendes Umzugsconsultings ausgeschrieben, die Leistungen wie z. B. die Gesamtprojektsteuerung, das Ausschreibungsmanagement der Speditionsleistungen sowie die Umzugssteuerung mit Möblierungsplanung der Büro-, Archiv- und Sammlungsräume umfasst. Ziel ist es, bis Ende Mai 2024 ein umfassendes „Mengengerüst" für das Leistungsverzeichnis als Grundlage für die Ausschreibung der Speditionsleistungen fertiggestellt zu haben. Weitere Vergabeverfahren wie z. B. für das zukünftige Ticketing, den Besucherservice, Telefonie, Internetanbieter, Stromlieferant, Arbeitsschutz und Brandschutzbeauftragter stehen an. Parallel dazu wird das inhaltliche
und organisatorische Betriebskonzept für das E-Werk entwickelt. Die Archive und die damit verbundenen Services der SDK schließen zum 31. August 2024 an ihrem alten Standort. Die Bibliothek wie auch die seit 24 Jahren bestehende und mehrfach überarbeitete ständige Präsentation im Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz schließt ebenso wie alle laufenden Sonderausstellungen zum 31. Oktober 2024. Der Countdown läuft! Bis dahin können Interessierte noch Exponate von der Zeitungsannonce des Wintergarten-Programms 1895 bis zu den aktuell ausgezeichneten Produktionen des Deutschen Filmpreises besichtigen.

E-Werk Mauerstraße 78–80 10117 Berlin; © Verena Brandt

Darüber hinaus bleibt die SDK bis zum Umzug aktiv. Am 23. Dezember 2024 wird die IT-Abteilung umziehen und im Anschluss dann die restlichen Büros vom 27. bis 30. Dezember 2024, sodass am 2. Januar 2025 alle Kolleginnen und Kollegen ihre neuen Arbeitsplätze im E-Werk beziehen können. Der Umzug der Archive soll dann im Zeitraum vom 6. bis 24. Januar 2025 erfolgen. Ab Februar 2025 werden bewährte Reihen wie das monatliche „Filmspotting", der „Fernsehsalon", „Aus dem Fernseharchiv", das Filmerbe-Festival „Film Restored" sowie die Bildungsangebote und bestehende Partnerschaften wie die mit der Berlinale in der Mauerstraße im E-Werk und an neuen Orten fortgesetzt. Ein Werkstatt-Kino, auch für die Bildungsarbeit oder externe Partner steht zur Verfügung. Die Bibliothek wird mit ihrem film- und fernsehhistorischen Bestand und den bisherigen Sichtungsmöglichkeiten in die Mauerstraße ziehen und der Öffentlichkeit zugänglich sein. Dies gilt auch für die Mediathek Fernsehen mit ihren über 13.000 Sendungen.

Der Filmverleih wird sein Portfolio ausbauen, dank der unvermindert fortgesetzten Restaurierung und Digitalisierung des Filmerbes. Bisher intensiv am Potsdamer Platz genutzte Sammlungsbestände (Fotoarchiv, Schriftgutarchiv, Personenarchiv, Teile des Marlene-Dietrich-Archivs etc.) werden ebenso in der Mauerstraße zugänglich sein. Andere Bestände werden aus Platz- und Kostengründen vom Potsdamer Platz in das Archivgebäude in Marienfelde verlagert. Der internationale Leihverkehr wird unabhängig davon aufrechterhalten, der museale Bestand der Sammlungen weiter ausgebaut. In den neuen Räumlichkeiten im E-Werk werden dann Präsentationsformen getestet, Screenings und Workshops angeboten und Pop-Up-Ausstellungen umgesetzt. Darüber hinaus sollen neue digitale Formate erprobt und das digitale Angebot ausgeweitet werden. Das E-Werk ist ein Ort mit Geschichte, ein Ort im Wandel, ein neues Quartier der Deutschen Kinemathek – für eine Übergangszeit. Die SDK bleibt aktiv, präsent und offen für alle. Nicht nur im E-Werk, in unserem Magazingebäude, sondern auch mit Partnern, mit denen wir Angebote kuratieren und realisieren werden: in Berlin, in Deutschland, in Europa und weltweit!

Florian Bolenius
Vorstand und Verwaltungsdirektor
Stiftung Deutsche Kinemathek

AsKI kultur leben 1/2024

.

xxnoxx_zaehler